Angiotensin (1-7)
Angiotensin (1-7) ist das "gute" Gegenstück zu dem Hormon, das deinen Blutdruck erhöht, es entspannt Blutgefäße, hemmt Entzündungen und schützt Herz und Lunge.
Fachangaben
Auch bekannt als: Ang (1-7), Ang1-7, MAS-Rezeptor-Agonist, ACE2-Produkt
Asp-Arg-Val-Tyr-Ile-His-Pro (Heptapeptid)
Auf einen Blick
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Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist Angiotensin (1-7) und wie wirkt es?
Dein Körper hat ein Hormonsystem namens Renin-Angiotensin-System (RAS), das den Blutdruck reguliert. Das bekannteste Hormon darin ist Angiotensin II, es verengt Blutgefäße und erhöht den Druck. Angiotensin (1-7) ist quasi das Gegenteil: dasselbe System, aber die "gute Seite". Es entsteht, wenn das Enzym ACE2 das schädliche Angiotensin II abbaut. Es wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend und herzschützend. Nach COVID-19 bekam es besondere Aufmerksamkeit, denn das Virus SARS-CoV-2 nutzt genau ACE2 als Eintrittspforte und stört damit die Produktion von Angiotensin (1-7).
Angiotensin (1-7) ist ein natürliches Produkt des ACE2-Enzyms aus Angiotensin II und ein zentrales Mitglied der kardioprotektiven Achse des Renin-Angiotensin-Systems (RAS). Während Angiotensin II (Ang II) über AT1-Rezeptoren Vasokonstriktion, Entzündung und Fibrose fördert, wirkt Ang (1-7) über den MAS-Rezeptor antagonistisch: gefäßerweiternd, antifibrotisch und entzündungshemmend. Es gewann ab 2020 besondere Aufmerksamkeit, da SARS-CoV-2 ACE2 als Eintrittspforte nutzt und damit das Ang (1-7)-Gleichgewicht stört. In klinischen Phase-1/2-Studien bei Herzinsuffizienz, Lungenfibrose und COVID-19 wurde die Sicherheit bestätigt.
Wirkungsweise
Angiotensin (1-7) bindet an den MAS-Rezeptor, einen "Gegenpart" zu den Angiotensin-II-Rezeptoren:
- Blutgefäße erweitern sich. Blutdruck sinkt, Durchblutung verbessert sich
- Entzündungsboten (TNF-α, IL-6) werden reduziert
- Die Vernarbung (Fibrose) von Herz, Lunge und Niere wird gehemmt
- Stickstoffmonoxid (NO) wird freigesetzt, gut für Gefäßgesundheit
Ang (1-7) bindet an den Gαi/o-gekoppelten MAS-Rezeptor. Dies aktiviert PI3K/Akt, eNOS (endotheliale NO-Synthase → Vasodilatation), hemmt ACE (reduziert Ang-II-Bildung) und aktiviert antiinflammatorische Kaskaden (Hemmung NF-κB, TNF-α, IL-6). Zudem aktiviert Ang (1-7) AT2-Rezeptoren, die ebenfalls vasoprotektiv wirken.
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „Kardiovaskuläre Protektion“ ist in Humanstudien belegt.
- Die erwünschte Wirkung „Antifibrotische Wirkung“ ist in Tierstudien belegt.
Spricht dagegen
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
- Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Hypotension bei höheren Dosen und Flush.
Wirkungen und Anwendungsgebiete
Angiotensin (1-7) hat sowohl Tier- als auch Human-Studiendaten:
- Blutdruck- und Herzfunktionsverbesserung, klinische Beobachtungen
- Schutz vor Fibrose in Herz, Lunge und Niere. Tiermodelle
- Verbesserung der Oxygenierung bei schwerer COVID-19. Phase-2-Studie (TXA127)
- Entzündungshemmung bei systemischen Entzündungserkrankungen
Kardiovaskuläre Protektion
Klinische Studien zeigen günstige Blutdruck- und Herzfunktionseffekte.
Antifibrotische Wirkung
Hemmt Fibrose in Herz, Lunge und Niere in Tiermodellen und frühen Humanstudien.
COVID-19-Komplikationsreduktion
Review beschreibt Genehmigung einer Phase-2-Studie (TXA127), keine publizierten Ergebnisse.
PubMed-Quelle →Entzündungshemmung
Reduziert systemische Entzündungsmarker in verschiedenen Modellen.
Dosierung und Anwendung
Eine besondere Herausforderung: Die Halbwertszeit beträgt nur 30 Sekunden bis 2 Minuten, das Peptid wird extrem schnell abgebaut:
- 20–28 mg täglich subkutan (aus Phase-2-Studiendaten)
- Intravenöse Studien: 0,0005–0,002 mg/kg/h als kontinuierliche Infusion
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Klinische Studie (i.v.) | 0,84–3,36 mg/Tag | Kontinuierliche Infusion | Aus Phase-2-Daten, entspricht 0,0005–0,002 mg/kg/h bei 70 kg |
Anwendungsformen
- Intravenös als Dauerinfusion, in klinischen Studien bevorzugte Methode
- Subkutan, in neueren Studien erprobt
- Oral und intranasal, in der Forschung untersucht, Bioverfügbarkeit unklar
Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.
Nebenwirkungen und Risiken
In klinischen Studien war Angiotensin (1-7) generell gut verträglich:
- Blutdruckabfall (Hypotension), bei höheren Dosen
- Flush (Gesichtsrötung), kurzfristig
- Kopfschmerzen, gelegentlich
Bekannte Nebenwirkungen
- •Hypotension bei höheren Dosen
- •Flush
- •Kopfschmerzen
- •Generell gut verträglich in klinischen Studien
Kontraindikationen
- •Schwere Hypotonie
- •ACE-Hemmer-Kombination (Additive RAS-Hemmung beachten)
Studienlage
Angiotensin (1-7) hat eine solide Forschungsbasis, besonders durch die COVID-19-Forschung:
- ✅ Breite Publikationslage
- ✅ Phase-2-Studie (TXA127 bei COVID-19): Verbesserung der Oxygenierung
- ✅ Weitere Phase-1/2-Studien bei Herzinsuffizienz und Lungenfibrose
- ❌ Noch kein zugelassenes Arzneimittel
- ⚠ Die extrem kurze Halbwertszeit macht klassische Anwendungsformen schwierig
Targeting the renin-angiotensin system in sepsis-associated AKI: from pathophysiology to precision medicine
HumanDong Y, Xia L, Shou S. (2026), Frontiers in Immunology
Review über RAAS-Dysregulation bei Sepsis-assoziiertem AKI. Diskutiert explizit die ACE2/Ang-(1-7)/MAS-Achse als protektive Therapiestrategie bei maladaptiver Ang-II-Signalisierung. Grundlage für präzisionsmedizinischen Einsatz von Ang-(1-7) bei Nierenversagen.
PubMed →Advances in Cardiovascular Pharmacotherapy. VIII. Angiotensin II in Vasodilatory Shock
HumanPagel PS, et al. (2026), Journal of cardiothoracic and vascular anesthesia
Diese Übersichtsarbeit untersucht die Rolle des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) und seiner Komponenten, inklusive Angiotensin (1-7) als vasodilatatorisches Produkt, bei humanem vasodilatatorischem Schock. Fokus liegt auf…
PubMed →Neuroimmune treatment of advanced solid tumors: 3-year survival after angiotensin 1-7, pineal indoles, and cannabinoids
HumanLissoni P, et al. (2026), Neoplasma
Angiotensin (1-7) wurde in einer Humanstudie an Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren zusammen mit pinealen Indolen und Cannabinoiden untersucht, um die Wirkung auf das Überleben zu evaluieren. Ein Hinweis…
PubMed →Rechtslage und Sport
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Grauzone, kein zugelassenes Arzneimittel. Verkauf üblich als Forschungschemikalie (RUO).
- Klinische Phase-1/2-Studien laufen (TXA127 ist eine formulierte Version)
Kein zugelassenes Arzneimittel. In Phase-1/2-Studien (z. B. TXA127 bei COVID-19). Als Forschungschemikalie in Grauzone.
Endogenes RAS-Peptid. Nicht auf der WADA-Liste.
Häufige Fragen zu Angiotensin (1-7)
Warum ist Angiotensin (1-7) nach COVID-19 relevant?
Was hat COVID-19 mit diesem Peptid zu tun?
Ist das dasselbe wie ein ACE-Hemmer?
Teil bekannter Peptid-Stacks
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für Angiotensin (1-7) sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
BPC-157
BPC-157 ist ein synthetisches Pentadekapeptid aus 15 Aminosäuren, das sich von einem im menschlichen Magensaft vorkommenden Schutzprotein ableitet und für seine regenerativen Eigenschaften bekannt ist.
VIP
Endogenes 28-AS-Neuropeptid mit immunmodulatorischen und vasodilatatorischen Eigenschaften. Natürlich in Darm, Lunge und ZNS vorkommend. In der Forschung auf entzündliche Erkrankungen untersucht.
TB-500
TB-500 ist ein synthetisches Fragment des körpereigenen Proteins Thymosin Beta-4 und wird für seine systemischen Heilungs- und Regenerationseigenschaften erforscht.