AICAR
AICAR drückt in der Zelle denselben „Energie-Alarmknopf" wie Sport, deshalb heißt es „Exercise-Mimetikum". Die Beweise stammen aber fast nur aus Tierversuchen, und im Wettkampfsport ist es verboten.
Fachangaben
Auch bekannt als: Acadesine, AICA-Ribosid, Acadesin
5-Aminoimidazol-4-Carboxamid-1-β-D-Ribofuranosid
Auf einen Blick
Grundlagen zuerst: Wirkung setzt eine stabile Basis aus Schlaf, Ernährung und Training voraus. Mehr dazu in der Biohacking-Pyramide.
Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist AICAR und wie wirkt es?
AICAR (auch Acadesine) ist kein Peptid, sondern ein Nukleosid, ein Molekül, das einem Energie-Baustein der Zelle ähnelt. Es schaltet einen Sensor namens AMPK an, der normalerweise beim Sport aktiv wird. Daher der Spitzname „Bewegung in der Pille".
AICAR (Acadesine) ist kein Peptid, sondern ein Nukleosid-Analogon. In der Zelle wird es zu ZMP verstoffwechselt und aktiviert die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK), den zentralen Energiesensor. Dadurch ahmt es metabolische Trainingseffekte nach (Fettverbrennung, Mitochondrien-Neubildung). Berühmt wurde es durch eine Studie an untrainierten Mäusen, deren Ausdauer ohne Training stieg. Beim Menschen ist die Datenlage begrenzt (Acadesine wurde v. a. in der Herzchirurgie untersucht). Es ist nicht als Arzneimittel zugelassen und im Sport verboten.
Wirkungsweise
Es täuscht der Zelle „wir trainieren gerade" vor:
- Aktiviert AMPK, den Energiesensor der Zelle
- Kurbelt Fettverbrennung und Zuckeraufnahme an
- Regt die Neubildung von Mitochondrien (Zellkraftwerken) an
AICAR wird intrazellulär zu ZMP phosphoryliert, einem AMP-Mimetikum, und aktiviert dadurch AMPK. Das steigert Fettsäureoxidation, Glukoseaufnahme und mitochondriale Biogenese und verschiebt den Muskelfasertyp Richtung oxidativ (ausdauerorientiert).
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „Kardioprotektion (Acadesine)“ ist in Humanstudien belegt.
Spricht dagegen
- Die Studienlage ist noch begrenzt, belastbare Daten aus Studien am Menschen sind rar.
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
Wirkungen und Anwendungsgebiete
Wichtig: überwiegend aus Tierversuchen:
- Mäuse liefen ohne Training deutlich länger (mehr Ausdauer)
- Mehr „Ausdauer-Muskelfasern" und Mitochondrien
- Als Acadesine am Herzen untersucht. Ergebnisse beim Menschen uneinheitlich
Gesteigerte Ausdauer / Fettoxidation
In Mäusen erhöhte AICAR ohne Training die Laufausdauer deutlich und steigerte die Fettverbrennung.
PubMed-Quelle →Mitochondriale Biogenese
Aktiviert über AMPK Programme zur Neubildung von Mitochondrien.
Kardioprotektion (Acadesine)
Als Acadesine in herzchirurgischen Studien untersucht. Ergebnisse uneinheitlich.
Dosierung und Anwendung
Keine sichere Humandosis:
- Wirkdaten stammen aus Tiermodellen
- Acadesine wurde i.v. in Klinikstudien geprüft
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Forschung (Tiermodell) | modellabhängig | experimentell | Keine validierte Humandosierung |
Anwendungsformen
In der Forschung:
- Per Injektion (i.v./s.c.), keine zugelassene Anwendungsform
Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.
Nebenwirkungen und Risiken
Wenig Humandaten:
- Mögliche Effekte auf Harnsäure
- Unbekanntes Langzeitrisiko
Bekannte Nebenwirkungen
- •Begrenzte Humansicherheitsdaten
- •In Studien u. a. Effekte auf Harnsäure möglich
- •Unbekanntes Langzeitrisiko
Kontraindikationen
- •Wettkampfsport (Dopingverstoß)
- •Schwangerschaft/Stillzeit
- •Bekannte Überempfindlichkeit
Studienlage
Stark im Tier, dünn beim Menschen:
- ✅ Berühmte Maus-Studie (2008): mehr Ausdauer ohne Training
- ❌ Belastbare Humanstudien zur „Fitness"-Wirkung fehlen
Simvastatin enhances the antitumor activity of temsirolimus through AMPK-associated metabolic modulation in clear-cell renal cell carcinoma
TierChen HY, et al. (2026), Naunyn-Schmiedeberg's archives of pharmacology
In mechanistischen Studien wurde AICAR zur pharmakologischen Modulation der AMPK-Signalübertragung in Nierenzellkarzinomzellen und einem Mausmodell eingesetzt.
PubMed →MiR-27b-3p suppresses proliferation and testosterone synthesis in goat Leydig cells by activating the AMPK pathway through PPARG targeting
TierAn P, et al. (2026), Animal reproduction science
In Ziegen-Leydigzellen wurde gezeigt, dass miR-27b-3p die Zellproliferation und Testosteronsynthese durch PPARG-Targeting und AMPK-Modulation unterdrückt. AICAR konnte durch AMPK-Aktivierung Defekte bei PPARG-Silencing t…
PubMed →FGF21 attenuates sepsis-induced myocardial injury via AMPK-mediated mitochondrial biogenesis
TierMao L, et al. (2026), Biochemical and biophysical research communications
Diese Studie untersuchte die Rolle von FGF21 bei sepsisbedingter Herzmuskelschädigung in einem Mausmodell. FGF21 verbesserte die Überlebensrate und reduzierte Schäden durch AMPK/PGC-1α-vermittelte mitochondriale…
PubMed →Rechtslage und Sport
Grauzone und im Sport gesperrt:
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Kein zugelassenes Arzneimittel. Verkauf als Forschungschemikalie (Grauzone).
- 🚫 WADA: als metabolischer Modulator zu allen Zeiten verboten (Klasse S4).
Nicht als Arzneimittel zugelassen (Acadesine blieb experimentell). Verkauf erfolgt als Forschungschemikalie (RUO). Im Sport verboten.
Metabolischer Modulator (AMPK-Aktivator), auf der WADA-Liste, im Wettkampfsport zu allen Zeiten verboten.
Häufige Fragen zu AICAR
Ist AICAR ein Peptid?
Ersetzt es wirklich Training?
Ersetzt AICAR das Training?
Ist es ein Peptid?
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für AICAR sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
SLU-PP-332
Kleines synthetisches Molekül (kein Peptid im engeren Sinne), das als pan-ERR-Agonist in präklinischen Modellen metabolische Effekte ähnlich Ausdauertraining imitiert.
MOTS-c
MOTS-c ist ein mitochondrial kodiertes Peptid aus 16 Aminosäuren, entdeckt 2015. In Tiermodellen wurde es auf AMPK-Aktivierung, Insulinsensitivität und altersabhängigen Muskelverlust untersucht. Ein Analogon (CB4211) durchlief Phase-1-Studien. In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht ein Graubereich.
5-Amino-1MQ
5-Amino-1MQ ist ein selektiver Inhibitor des Enzyms NNMT (Nicotinamid-N-Methyltransferase). NNMT ist im Fettgewebe übermäßig aktiv und verbraucht NAD+ und SAM, beides essenzielle Cofaktoren. Hemmung dieses Enzyms steigert in präklinischen Modellen die Fettverbrennung und metabolische Flexibilität.