Melanotan I (Afamelanotide)
Handelsnamen:Scenesse
Afamelanotide ist ein zugelassenes Arzneimittel (Scenesse®) für eine seltene Lichtkrankheit, als MC1R-selektives Peptid regt es die Melaninproduktion an, ohne die breiten Nebenwirkungen von Melanotan II.
Fachangaben
Auch bekannt als: Afamelanotide, MT-1, MT-I
[Nle4,D-Phe7]-α-MSH (13 Aminosäuren, zyklisch)
Quick Start Guide
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Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist Melanotan I (Afamelanotide) und wie wirkt es?
Melanotan I (wissenschaftlich: Afamelanotide, Handelsname: Scenesse®) ist ein synthetisches Analogon des körpereigenen Hormons α-MSH, das steuert, wie viel Melanin (Hautpigment) deine Melanozyten produzieren. Es wurde in den 1980er Jahren in Arizona entwickelt, ist 13 Aminosäuren lang und hat heute eine offizielle EU-Arzneimittelzulassung für erythropoetische Protoporphyrie (EPP), eine seltene erbliche Lichtsensibilitätskrankheit, bei der selbst kurze Sonnenexposition extreme Schmerzen verursacht. Es ist damit das einzige Melanocortin-Peptid mit einer echten Arzneimittelzulassung.
Melanotan I (wissenschaftlich: Afamelanotide) ist ein synthetisches Analogon des körpereigenen Melanocortin-Peptids α-MSH (Alpha-Melanocyten-stimulierendes Hormon). Es wurde an der Universität Arizona in den 1980er Jahren entwickelt und unterscheidet sich von α-MSH durch zwei Modifikationen: Norleucin an Position 4 (statt Methionin) und D-Phenylalanin an Position 7. Im Gegensatz zu Melanotan II (das ebenfalls erektile Dysfunktion- und Appetitrezeptoren aktiviert) ist Melanotan I hochselektiv für den MC1-Rezeptor (Melanocortin-1-Rezeptor) auf Melanozyten. MC1R-Aktivierung stimuliert die Eumelanin-Synthese und erhöht so den UV-Schutz der Haut. Afamelanotide ist in der EU unter dem Handelsnamen Scenesse® als Arzneimittel für Erythropoetische Protoporphyrie (EPP) zugelassen, eine seltene Erbkrankheit, die zu schweren Lichtüberempfindlichkeitsreaktionen führt. Diese Zulassung ist strikt auf EPP beschränkt. Für andere Verwendungen ist Melanotan I in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht zugelassen.
Wirkungsweise
- Bindet hochselektiv an MC1-Rezeptoren (MC1R) auf Melanozyten, die Zellen, die Melanin herstellen.
- MC1R-Aktivierung → cAMP → Tyrosinase-Enzyme → mehr Eumelanin (das braune, UV-schützende Pigment).
- Ergebnis: stärkere Pigmentierung der Haut, erhöhter natürlicher UV-Schutz.
- Wichtiger Unterschied zu Melanotan II: MT-1 aktiviert NUR MC1R. MT-2 aktiviert auch MC3R, MC4R und MC5R, was Libido, Appetit und Blutdruck beeinflusst.
Hochselektiver Agonist am MC1-Rezeptor auf Melanozyten. MC1R-Aktivierung → Gs-Protein → Adenylylcyclase → cAMP → PKA → MITF (Microphthalmia-associated Transcription Factor) → Tyrosinase-Expression → Eumelanin-Synthese. Melanotan I hat keine relevante Aktivität am MC3R, MC4R oder MC5R (im Gegensatz zu Melanotan II).
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „Melanogenese (Hautpigmentierung)“ ist in Humanstudien belegt.
- Die erwünschte Wirkung „Photoprotektion (UV-Schutz)“ ist in Humanstudien belegt.
Spricht dagegen
- Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Übelkeit und Kopfschmerzen.
Wirkungen und Anwendungsgebiete
Klinisch zugelassene und gut belegte Wirkungen:
- Melanogenese (Hautpigmentierung): Sicher und effektiv. Level A, Pivotal-Studie abgeschlossen
- Photoprotektion: Verlängert schmerzfreie Zeit im Sonnenlicht bei EPP-Patienten signifikant (Level A)
- Kein aphrodisischer Effekt, kein Appetiteinfluss (im Gegensatz zu MT-2)
Melanogenese (Hautpigmentierung)
Stimuliert effektiv und selektiv die Eumelanin-Produktion in den Melanozyten, was zu einer verstärkten Pigmentierung der Haut führt.
Photoprotektion (UV-Schutz)
Erhöht signifikant die Toleranz gegenüber UV-Strahlung und verlängert die schmerzfreie Zeit im Sonnenlicht bei Patienten mit EPP.
Dosierung und Anwendung
Klinisch zugelassene Anwendung vs. Off-label-Forschung:
- EPP (Scenesse®): 16 mg als subkutanes Depot-Implantat alle 2 Monate, nur durch medizinisches Fachpersonal
- Off-label/Forschung: 0,5–1,5 mg subkutan täglich bis zur gewünschten Pigmentierung
- Die Depot-Formulierung (Implantat) gibt über 2 Monate kontinuierlich Wirkstoff ab
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| EPP (Klinische Zulassung) | 16 mg | Alle 2 Monate | Subkutanes Depot-Implantat (Scenesse®), Gabe nur durch medizinisches Fachpersonal. |
| Off-label (Forschung) | 0,5–1,5 mg | 1× täglich | Subkutane Injektion bis zum Erreichen der gewünschten Pigmentierung. |
Anwendungsformen
- Klinisch: Subkutanes Biodegradable-Implantat (16 mg), eingesetzt durch Arzt oder Pflegepersonal
- Off-label/Forschung: Lyophilisiertes Pulver, in Wasser für Injektionen aufgelöst, subkutane Selbstinjektion
- Nach Melanisierung wird oft eine Erhaltungspause eingelegt
- Sonnenschutz bleibt trotz erhöhter Pigmentierung notwendig. Melanin ist kein vollständiger UV-Schutz
Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.
Nebenwirkungen und Risiken
Gut dokumentiertes Nebenwirkungsprofil aus klinischen Studien:
- Übelkeit (sehr häufig, besonders nach Implantat-Einlage)
- Kopfschmerzen und Müdigkeit
- Verdunkelung bestehender Muttermale und Sommersprossen (wichtig: dermatologische Kontrolle!)
- Reaktionen an der Injektions-/Implantatstelle
- Kontraindiziert bei bekanntem oder vermutetem Melanom
Bekannte Nebenwirkungen
- •Übelkeit (sehr häufig nach Implantation)
- •Kopfschmerzen
- •Reaktionen an der Implantat-/Injektionsstelle
- •Verdunkelung bestehender Muttermale (Naevi) und Sommersprossen
- •Müdigkeit
Kontraindikationen
- •Bekanntes oder vermutetes Melanom
- •Schwangerschaft und Stillzeit
- •Schwere Nieren- oder Leberinsuffizienz
Studienlage
Einziges Melanocortin-Peptid mit Pivotal-Studie und EU-Zulassung. Evidenzlevel A:
- ✅ Langendonk et al. 2015 (NEJM): Phase-3-RCT. Afamelanotide verdoppelte schmerzfreie Zeit im Sonnenlicht bei EPP-Patienten
- ✅ Minder et al. 2009 (J Hepatol): Verbesserte Lebensqualität und Pigmentierung in kontrollierten Studien
- ⚠ Off-label-Nutzung zur kosmetischen Bräunung: keine kontrollierten Sicherheitsstudien an Gesunden
- ❌ Keine Studien zu Langzeitsicherheit außerhalb klinischer EPP-Behandlung
A Phase 3 Trial of Afamelanotide for Erythropoietic Protoporphyria
HumanLangendonk JG, et al. (2015),
Pivotal-Studie: Afamelanotid verlängerte die schmerzfreie Zeit im Sonnenlicht signifikant und verbesserte die Lebensqualität der EPP-Patienten.
PubMed →Afamelanotide for erythropoietic protoporphyria
HumanBiolcati G, et al. (2015), British Journal of Dermatology
Langzeit-Beobachtungsstudie über 8 Jahre zeigt anhaltende Verbesserung der Lichtverträglichkeit und gutes Sicherheitsprofil bei EPP-Patienten.
PubMed →HDAC6 inhibition alleviates dexamethasone-induced skeletal muscle atrophy and enhances UCP3-associated redox homeostasis
TierWang K, et al. (2026), Free radical biology & medicine
Diese Tierstudie untersuchte die schützende Wirkung der HDAC6-Hemmung/des Verlusts der Funktion gegen Dexamethason-induzierte Muskelatrophie (GIMA) bei Hdac6-Knockout-Mäusen und C2C12-Myotube-Modellen.
PubMed →Rechtslage und Sport
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Verschreibungspflichtig, nur mit ärztlichem Rezept legal, nur für EPP, nur durch Spezialisten.
- Kein WADA-Verbot, nicht auf der Dopingliste
Als Scenesse® in der EU als Orphan-Drug-Arzneimittel zugelassen. Streng rezeptpflichtig.
Als Scenesse für erythropoetische Protoporphyrie zugelassen, in der EU und in den USA. Nicht namentlich auf der WADA Prohibited List 2026. S0 greift nicht, denn S0 setzt voraus, dass keine staatliche Arzneimittelbehörde die Substanz für die Anwendung am Menschen zugelassen hat. Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation ändert daran nichts. Verbandsregeln können strenger sein.
Labormonitoring für Forschungszwecke
Kurzübersicht: Ähnliches Monitoring wie Melanotan-2 mit Fokus auf dermatologische Kontrolle.
Melanotan-1 (Afamelanotid) stimuliert Melanogenese, darum ist Nevi-Monitoring wichtig.
Allgemeines Sicherheitsmonitoring.
Sicherheitsscreening.
Melanotan-1 (Afamelanotid/Scenesse) ist in der EU für erythropoetische Protoporphyrie (EPP) zugelassen. Außerhalb dieser Indikation gilt der Forschungskontext.
Häufige Fragen zu Melanotan I (Afamelanotide)
Was ist der Unterschied zu Melanotan II?
Ist Melanotan I sicherer als Melanotan II?
Was ist der Unterschied zwischen Melanotan I und Melanotan II?
Kann ich Melanotan I zum Bräunen verwenden?
Schützt Melanotan I vor Hautkrebs?
Teil bekannter Peptid-Stacks
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für Melanotan I (Afamelanotide) sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
Melanotan II
Synthetischer nichtselektiver Melanocortin-Agonist. Von BfArM und UK MHRA als gefährlich eingestuft. Erhebliche Sicherheitsbedenken wegen Naevi-Veränderungen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz Graubereich mit Warnhinweisen.
PT-141
Vyleesi
Melanocortinrezeptor-Agonist (MC3R/MC4R). Als Vyleesi (Bremelanotid) in den USA für HSDD bei prämenopausalen Frauen zugelassen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz Graubereich.
AOD-9604
Fragment des C-terminalen Endes des Wachstumshormons (hGH 177–191). In der Grundlagenforschung auf Lipolysesignalisierung untersucht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht zugelassen.