Bimagrumab
Bimagrumab ist ein per Infusion gegebener Antikörper, der die natürliche „Muskelbremse" Myostatin ausschaltet. In Studien baut er gleichzeitig Muskeln auf und Fett ab. Er ist in der DACH-Region nicht zugelassen und im Sport verboten.
Fachangaben
Auch bekannt als: BYM338
Humaner monoklonaler Antikörper gegen den Aktivin-Typ-II-Rezeptor (ActRII)
Quick Start Guide
IntravenösGrundlagen zuerst: Wirkung setzt eine stabile Basis aus Schlaf, Ernährung und Training voraus. Mehr dazu in der Biohacking-Pyramide.
Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist Bimagrumab und wie wirkt es?
Bimagrumab (Entwicklungsname BYM338) ist ein Antikörper, also ein großes, gezielt wirkendes Eiweißmolekül. Er blockiert einen Rezeptor, über den der Körper das Muskelwachstum normalerweise begrenzt. Schaltet man diese „Bremse" aus, kann mehr Muskelmasse aufgebaut werden. In Studien zeigt Bimagrumab zugleich eine deutliche Abnahme der Fettmasse. Als Arzneimittel ist es nicht zugelassen.
Bimagrumab (BYM338) ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper, der von Novartis und später Versanis entwickelt wurde. Er bindet den Aktivin-Typ-II-Rezeptor (ActRII) und blockiert dort die Bindung von Myostatin und Aktivin, den körpereigenen Bremsen des Muskelwachstums. Dadurch nimmt die Skelettmuskelmasse zu. Bemerkenswert ist, dass Bimagrumab in Studien gleichzeitig die Fettmasse senkt, weshalb es zunehmend im Kontext von Adipositas und Muskelerhalt (auch in Kombination mit GLP-1-Agonisten) erforscht wird. Bimagrumab ist nicht zugelassen.
Wirkungsweise
Bimagrumab löst die körpereigene Muskelbremse:
- Es blockiert den Aktivin-Typ-II-Rezeptor, über den Myostatin das Muskelwachstum hemmt.
- Ist diese Bremse gelöst, steigt die Muskelproteinsynthese und die Muskeln wachsen.
- Begleitend nimmt die Fettmasse ab und die Insulinempfindlichkeit verbessert sich, die genauen Gründe dafür sind noch nicht vollständig geklärt.
Bimagrumab blockiert kompetitiv den Aktivin-Typ-II-Rezeptor (ActRIIA/B). Da Myostatin (GDF-8) und Aktivin über diesen Rezeptor das Muskelwachstum hemmen, führt die Blockade zu einer Enthemmung der Muskelproteinsynthese und damit zu Muskelhypertrophie. Über bislang nicht vollständig geklärte Mechanismen geht dies zusätzlich mit einer Reduktion der Fettmasse und verbesserter Insulinsensitivität einher.
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „Zunahme der Muskelmasse“ ist in Humanstudien belegt.
- Die erwünschte Wirkung „Reduktion der Fettmasse“ ist in Humanstudien belegt.
Spricht dagegen
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
- Im Wettkampfsport ist der Wirkstoff zu allen Zeiten verboten (WADA-Klasse S4.4).
Wirkungen und Anwendungsgebiete
Die Ergebnisse stammen aus klinischen Studien am Menschen (Evidenzgrad B):
- Die fettfreie Muskelmasse stieg in einer Phase-2-Studie deutlich gegenüber Placebo.
- Die Gesamtfettmasse nahm im gleichen Zeitraum spürbar ab.
- Bei Typ-2-Diabetes verbesserte sich zusätzlich der Langzeit-Blutzucker (HbA1c).
Zunahme der Muskelmasse
In einer Phase-2-RCT steigerte Bimagrumab die fettfreie Körpermasse (Lean Mass) signifikant gegenüber Placebo.
PubMed-Quelle →Reduktion der Fettmasse
In derselben 48-wöchigen Studie sank die Gesamtfettmasse deutlich (Körpergewicht −6,5% vs. −0,8% unter Placebo).
PubMed-Quelle →Verbesserung der Insulinsensitivität
Bei Typ-2-Diabetes verbesserte Bimagrumab das HbA1c gegenüber Placebo, begleitend zur Umverteilung von Fett- zu Muskelmasse.
PubMed-Quelle →Dosierung und Anwendung
Bimagrumab wird als Infusion in die Vene gegeben:
- In Studien etwa 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht (bis 1.200 mg) alle vier Wochen.
- Die monatliche Gabe ist möglich, weil der Antikörper sehr lange im Körper bleibt.
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Dauer | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Adipositas / Typ-2-Diabetes (Phase-2-Studie) | 10 mg/kg (max. 1.200 mg) | alle 4 Wochen i.v. | 48 Wochen | Intravenöse Infusion, keine Anwendungsempfehlung |
Anwendungsformen
- Als intravenöse Infusion, üblicherweise im klinischen Rahmen.
- Nur etwa einmal im Monat dank der langen Wirkdauer.
- Eine Tabletten- oder einfache Spritzenform gibt es nicht.
Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.
Nebenwirkungen und Risiken
Berichtete Nebenwirkungen aus den Studien:
- Muskelkrämpfe.
- Durchfall.
- Leichte Akne.
- Vorübergehender Anstieg von Muskelenzymen sowie Reaktionen rund um die Infusion.
Bekannte Nebenwirkungen
- •Muskelkrämpfe
- •Diarrhö
- •Leichte Akne
- •Vorübergehender Anstieg von Muskelenzymen
- •Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion
Kontraindikationen
- •Schwangerschaft und Stillzeit
- •Bekannte Überempfindlichkeit
- •Anwendung nur im kontrollierten Studienkontext
Studienlage
Die Daten stammen aus klinischen Studien, eine Zulassung gibt es nicht (Evidenzgrad B):
- ✅ Phase-2-Studie mit gleichzeitigem Muskelaufbau und Fettabbau.
- ✅ Hinweise auf bessere Blutzuckerwerte bei Typ-2-Diabetes.
- ⚠ Es liegt keine Zulassung für eine Anwendung vor.
Putting the brakes on muscle growth: Myostatin as regulator of disuse atrophy
HumanNieuwenhuijsen DHC, et al. (2026), Experimental physiology
Ein Review diskutiert Bimagrumab, einen Antikörper gegen ActRIIB. Er hemmt Myostatin-Signalwege. Hinweise aus Studien deuten auf Potenzial gegen Muskelschwund durch Inaktivität hin.
PubMed →Efficacy and Safety of Bimagrumab in Adults With Obesity and Metabolic Dysfunction: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials
HumanShao C, et al. (2026), Diabetes, obesity & metabolism
Eine Meta-Analyse zu Bimagrumab bei Adipositas und Stoffwechselstörungen zeigte eine Reduktion von Gewicht, Fettmasse, HbA1c und eine Zunahme der Muskelmasse. Erhöhte LDL-Werte und Nebenwirkungen wie Muskelkrämpfe wurden…
PubMed →Targeting the activin/myostatin - actrii pathway to preserve skeletal muscle mass in obesity: mechanistic insights and therapeutic perspectives
HumanLisco G, et al. (2026), Reviews in endocrine & metabolic disorders
Eine Übersichtsarbeit beschreibt Bimagrumab, einen Anti-Activin-Rezeptor-Antikörper, der in Studien Hinweise auf eine Zunahme der Skelettmuskelmasse und verbesserte Körperzusammensetzung bei Menschen zeigte.
PubMed →Rechtslage und Sport
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Grauzone, kein zugelassenes Arzneimittel.
- 🚫 WADA: gesperrt (Klasse S4.4). Hemmer des Myostatin-/Aktivin-Signalwegs sind jederzeit verboten.
Nicht als Arzneimittel zugelassen (Stand 2026). Bimagrumab befindet sich in der klinischen Entwicklung (Phase 2/3), u. a. zu Adipositas und Muskelerhalt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht keine Zulassung. Als injizierbarer monoklonaler Antikörper ist es ausschließlich ein Prüf-/Forschungspräparat.
Myostatin-/Aktivin-Signalweg-Hemmer, die die Aktivierung des Aktivin-Rezeptors IIB verhindern, sind jederzeit verboten (WADA-Klasse S4.4).
Häufige Fragen zu Bimagrumab
Wie funktioniert Bimagrumab im Vergleich zu Follistatin oder ACE-031?
Warum reduziert ein „Muskelaufbau-Wirkstoff" auch Fett?
Ist Bimagrumab im Sport erlaubt?
Macht Bimagrumab automatisch muskulös ohne Training?
Warum ist es im Sport verboten?
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für Bimagrumab sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
ACE-031
ACE-031 (Ramatercept) ist ein rekombinantes Fusionsprotein, das als Myostatin- und Activin-Fänger wirkt und in Phase-2-Studien bei Muskeldystrophie signifikante Muskelmasse-Steigerungen zeigte. Entwicklung aufgrund von Nebenwirkungen gestoppt.
Follistatin-344
Follistatin-344 ist eine Isoform des körpereigenen Follistatin-Proteins, das Myostatin und Activin hemmt und in Tiermodellen ausgeprägte Zunahmen der Muskelmasse erzeugt.
IGF-1
Increlex
IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1) ist das primäre Effektorhormon der GH-Achse, ein in der Leber gebildetes Peptid, das Muskelwachstum, Zellproliferation und Geweberegeneration vermittelt und als Mecasermin für IGF-1-Defizienz zugelassen ist.