Die Inhalte von PeptidWiki dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung, sind ausdrücklich keine Empfehlung und ersetzen keine medizinische Beratung.

Die beschriebenen Substanzen unterliegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedlichen rechtlichen Regelungen. Viele sind nicht als Arzneimittel zugelassen.

Inhalte werden mit Sorgfalt recherchiert, aber ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität bereitgestellt.

Hormonsystem

Kisspeptin

Kisspeptin ist der "Master-Schalter" der Fortpflanzungsachse, ein Neuropeptid, das GnRH auslöst, damit LH und Testosteron fließen, und das in der Reproduktionsmedizin klinisch erprobt wird.

Solide EvidenzDE, AT, CH: Grauzone#27Rang 27 von 8060/100
AnwendungSubkutan (s.c.), Intravenös (i.v.)
Typische Dosis0,1–0,2 mg/Injektion, 2–3×/Woche
Halbwertszeit~4–30 Minuten (je nach Isoform: KP-10 vs. KP-54)
PubMed-Studien4009+
Fachangaben

Auch bekannt als: Metastin, KISS1, KP-10, KP-54

Kisspeptin-10 (KP-10): Tyr-Asn-Trp-Asn-Ser-Phe-Gly-Leu-Arg-Phe-NH2 (C-terminales Fragment von Metastin)

Auf einen Blick

AnwendungSubkutan (s.c.), Intravenös (i.v.)
Typische Dosis0,1–0,2 mg/Injektion, 2–3×/Woche
Halbwertszeit~4–30 Minuten (je nach Isoform: KP-10 vs. KP-54)
ForschungslageSolide (B)
Frequenz2–3× wöchentlich
PubMed-Studien4009+

Grundlagen zuerst: Wirkung setzt eine stabile Basis aus Schlaf, Ernährung und Training voraus. Mehr dazu in der Biohacking-Pyramide.

Rechtlicher Hinweis

Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.

Was ist Kisspeptin und wie wirkt es?

Einfach erklärt

Kisspeptin wurde 2001 ursprünglich als Metastasen-Suppressor-Protein entdeckt, sein Name (Kiss1) kommt von Hershey, Pennsylvania (Heimat der Kisses-Schokolade), nicht von Küssen. Kurz danach stellte sich heraus, dass es der wichtigste Auslöser der gesamten Fortpflanzungsachse ist: Kisspeptin aktiviert im Hypothalamus GnRH-Neuronen, die GnRH freisetzen, das die Hypophyse zur LH- und FSH-Produktion stimuliert, die wiederum die Gonaden zur Hormonproduktion anregen. Es ist sozusagen der Startknopf für Testosteron, Östrogen, Ovulation und Spermatogenese. In der Reproduktionsmedizin wird es als sicherere Alternative zu HCG für die Auslösung der Eizellreifung bei IVF untersucht.

Kisspeptin (auch: Metastin) ist ein neuropeptiderges Signalmolekül, das 2001 als Metastasen-Suppressor-Protein entdeckt wurde und kurz darauf als kritischer Regulator der hypothalamisch-hypophysären-gonadalen (HPG) Achse identifiziert wurde. Das Gen KISS1 kodiert für ein 145-AS-Präkursorprotein, aus dem verschiedene C-terminale Fragmente entstehen: Kisspeptin-54, -14, -13 und -10. Kisspeptin bindet an den KISS1R (früher: GPR54), einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor, der auf GnRH-Neuronen im Hypothalamus stark exprimiert ist. Diese Aktivierung löst GnRH-Ausschüttung aus, was nachgelagert LH und FSH aus der Hypophyse stimuliert. Hormone, die für Gonadenfunktion und Steroidhormonsynthese essentiell sind. Klinische Studien haben Kisspeptin bei hypogonadotropem Hypogonadismus, in der In-vitro-Fertilisation und für neuroendokrine Diagnose eingesetzt. Die Substanz befindet sich noch in der Forschungsphase, in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Kisspeptin nicht als Arzneimittel zugelassen.

Wirkungsweise

Einfach erklärt
  • Bindet an KISS1R (GPR54) auf hypothalamischen GnRH-Neuronen → Gq/11-Protein → IP3 → Kalzium → GnRH-Ausschüttung.
  • GnRH stimuliert Hypophyse → LH und FSH werden freigesetzt.
  • LH stimuliert Hoden (Testosteron) und Eierstöcke (Östrogen, Ovulation).
  • FSH stimuliert Spermatogenese und Follikelreifung.
  • Kurze HWZ: KP-10 ~4 min, KP-54 ~30 min, pulsatile Gabe nötig.

Kisspeptin bindet an KISS1R auf hypothalamischen GnRH-Neuronen. Aktivierung des Gq/11-Proteins und PLCβ führt zu IP3-Bildung und Kalziumfreisetzung. GnRH-Neuronen werden depolarisiert und pulsatil freigesetzt. GnRH stimuliert LH/FSH-Freisetzung aus der Adenohypophyse → Gonadensteroide.

Spricht dafür

  • Die erwünschte Wirkung „GnRH- und LH-Sekretion“ ist in Humanstudien belegt.
  • Die erwünschte Wirkung „Reproduktionsmedizin (IVF)“ ist in Humanstudien belegt.

Spricht dagegen

  • In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
  • Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Leichte Rötung an der Injektionsstelle und Hitzewallungen.

Wirkungen und Anwendungsgebiete

Einfach erklärt

Gut belegte klinische Effekte:

  • LH-Puls-Stimulation: robust in Humanstudien (Level B)
  • IVF-Trigger (Eizellreifung): Level B, Phase-2-Studien positiv, niedrigeres OHSS-Risiko als HCG
  • Hypogonadismus-Diagnostik: Level B, untersucht die HPG-Achsen-Funktionalität
  • Testosteron-Stimulation: Level B bei hypogonadotropem Hypogonadismus
Kontraindiziert bei hormonabhängigen Tumoren (Prostatakarzinom, Mammakarzinom). Nicht für Selbstanwendung ohne Überwachung geeignet.

GnRH- und LH-Sekretion

Solide EvidenzHuman

Stimuliert die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse durch direkte Aktivierung der GnRH-Neuronen.

Reproduktionsmedizin (IVF)

Solide EvidenzHuman

Einsatz als sicherer Trigger für die Eizellreifung in klinischen Studien, da das Risiko eines ovariellen Hyperstimulationssyndroms (OHSS) verringert ist.

Hypogonadismus-Diagnostik

Solide EvidenzHuman

Wird zur Untersuchung der Funktionalität der Fortpflanzungsachse bei hypothalamischem Hypogonadismus eingesetzt.

Dosierung und Anwendung

Einfach erklärt

Klinische Forschungsprotokolle:

  • IVF-Trigger: 9,6 nmol/kg KG KP-54 subkutan, einmalig
  • Endokrine Diagnostik: 0,1–1 nmol/kg KP-10 als i.v. Bolus
  • Off-label Selbstanwendung: 0,1–0,2 mg KP-10, 2–3×/Woche, ohne valide Grundlage
Die Wirkdosis ist körpergewichtsabhängig und hormonkontextabhängig, ohne Laborwerte (LH, FSH, Testosteron) ist sinnvolle Dosierung nicht möglich.

Studien-Dosierungen

Die Mengenangaben entstammen wissenschaftlichen Studien, Forschungsprotokollen und Tiermodellen. Sie sind keine Dosierungsangaben im klassischen Sinne und stellen keine Einnahmeempfehlung für Menschen dar.
Anwendung / PhaseDosisFrequenzHinweis
Forschungsstudie (IVF Trigger)9,6 nmol/kgEinmalig s.c.Dosierung von Kisspeptin-54 aus publizierten klinischen IVF-Studien.
Endokrine Diagnostik0,1–1 nmol/kgAls i.v. BolusZur Überprüfung der HPG-Achse in Forschungsprotokollen (meist KP-10).
Dosierungsrechner →Best-Practice Protokoll ansehen

Anwendungsformen

Einfach erklärt
  • Subkutan oder intravenös in klinischen Studien
  • KP-10 (10 AS) vs. KP-54 (54 AS): KP-54 länger wirksam, KP-10 schneller, kürzer
  • Keine orale Bioverfügbarkeit
  • In der Reproduktionsmedizin: unter ärztlicher Überwachung mit Hormonmonitoring
Subkutan (s.c.)Intravenös (i.v.)

Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.

Nebenwirkungen und Risiken

Einfach erklärt

Überwiegend gut verträglich in klinischen Studien:

  • Leichte Rötung an der Injektionsstelle
  • Hitzewallungen (Flush)
  • Gelegentliche Übelkeit
  • Bei Frauen: Risiko von Überstimulation (geringer als bei HCG)
  • Hormonabhängige Tumore: absolut kontraindiziert

Bekannte Nebenwirkungen

  • Leichte Rötung an der Injektionsstelle
  • Hitzewallungen (Flush)
  • Gelegentliche Übelkeit

Kontraindikationen

  • Hormonabhängige Tumore (z.B. Prostatakarzinom, Mammakarzinom)
  • Anwendung bei Schwangeren außerhalb klinischer IVF-Protokolle

Studienlage

Einfach erklärt

Intensiv erforschtes Reproduktions-Neuropeptid. Evidenzlevel B:

  • ✅ Dhillo et al. 2005 (J Clin Endocrinol Metab): KP-54 und KP-10 lösen starke LH-Pulse in gesunden Männern aus
  • ✅ Jayasena et al. 2014 (J Clin Endocrinol Metab): Kisspeptin als IVF-Trigger, signifikant niedrigeres OHSS-Risiko vs. HCG
  • ⚠ Langzeit-Sicherheitsstudien für therapeutische Anwendungen fehlen noch

Ambient Air Pollution, Polycyclic Aromatic Hydrocarbons, and Pubertal Development: A Critical Review of Emerging Evidence

Human

Peterson AK (2026), Current environmental health reports

Ein Review weist auf Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAHs) und Pubertätsentwicklung hin. Studien assoziieren PAH-Exposition mit einer Störung des hypothalamische…

PubMed →

Maternal-Neonatal Metabolic Continuity and Early Postnatal HPG Axis Activity in Healthy Term Neonates

Human

Koca M, et al. (2026), Clinical endocrinology

Humanstudie an Neugeborenen evaluierte die HPG-Achsen-Aktivität. Maternale Stoffwechselmarker waren mit neonatalen Parametern, jedoch nicht stark mit frühen Gonadotropinwerten assoziiert. Geschlecht stärkster Prädiktor f…

PubMed →

Missense mutations in MKRN3 and central precocious puberty: a mutational approach to understanding protein function

Human

Franssen D, et al. (2026), Current opinion in pediatrics

Forschung zeigte, dass MKRN3-Mutationen die Repression von Kisspeptin und GnRH beeinträchtigen können, was mechanistische Einblicke in die zentrale frühreife Pubertät (CPP) gibt.

PubMed →

Rechtslage und Sport

Einfach erklärt
  • 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Grauzone, kein zugelassenes Arzneimittel. Verkauf üblich als Forschungschemikalie (RUO).
  • Kein WADA-Verbot, nicht auf der Dopingliste
RechtslageDE, AT, CH: Grauzone

Nicht als Arzneimittel zugelassen. In klinischen Studien für Reproduktionsmedizin untersucht.

Im SportWADA: Erlaubt

GnRH-Stimulator. Nicht explizit auf der WADA-Liste. Reguliert LH/FSH indirekt. Bei Verdacht auf Hormonmanipulation könnten Verbände einschreiten.

Doping-Status im WADA-Checker nachsehen →

Labormonitoring für Forschungszwecke

Kurzübersicht: Reproduktionshormone (LH, FSH, Sexualhormone) als zentrale Monitoring-Achse.

Zeitplan:Vor Beginn->Nach 4–8 Wochen
Essentiell
LH
Luteinisierendes Hormon

Kisspeptin aktiviert GnRH-Neuronen und stimuliert direkt die LH-Ausschüttung, deshalb ist LH der primäre Wirksamkeitsmarker.

Zeitpunkt: Baseline, nach 4–8 WochenRichtwert: Männer: 1,7–8,6 IU/l | Frauen (follikulär): 2,4–12,6 IU/l
FSH
Follikelstimulierendes Hormon

FSH wird gemeinsam mit LH durch GnRH reguliert: Verlaufsmonitoring der gonadotropen Achse.

Zeitpunkt: Baseline, nach 4–8 WochenRichtwert: Männer: 1,5–12,4 IU/l | Frauen (follikulär): 3,5–12,5 IU/l
Testosteron (Männer) / Estradiol (Frauen)

Endpunkt der LH-Stimulation: Testosteron und Estradiol zeigen die Wirkung auf Gonaden-Ebene.

Zeitpunkt: Baseline, nach 4–8 WochenRichtwert: Testosteron: 9–29 nmol/l (Männer) | Estradiol: 28–156 pmol/l (Frauen, follikulär)
Empfohlen
Prolaktin

Erhöhtes Prolaktin hemmt GnRH, damit dient eine Baseline-Kontrolle zur Differenzierung.

Zeitpunkt: BaselineRichtwert: Männer: 4–15 ng/ml | Frauen: 4–30 ng/ml

Kisspeptin-Forschung ist in der Reproduktionsmedizin aktiv. Monitoring-Schema orientiert sich an klinischen Studienprotokollen (KISSPEPTIN-112 Studien).

Häufige Fragen zu Kisspeptin

Wofür wird Kisspeptin in der Forschung untersucht?
Hauptsächlich für Reproduktionsmedizin (IVF-Trigger, Hypogonadismus) und neuroendokrine Diagnostik. Auch als Modell zur Untersuchung der GnRH-Achse und als potenzielle Behandlung von Pubertätsstörungen.
Ist Kisspeptin dasselbe wie Gonadorelin (GnRH)?
Nein, Kisspeptin agiert eine Stufe "höher" im System. Kisspeptin stimuliert die Freisetzung von GnRH im Hypothalamus, während GnRH (Gonadorelin) direkt auf die Hypophyse wirkt, um LH und FSH freizusetzen. Kisspeptin gilt als der "Master-Schalter" der Fortpflanzung.
Kann Kisspeptin Testosteron bei Männern erhöhen?
Ja, durch Stimulation der HPG-Achse. Bei hypogonadotropem Hypogonadismus (niedrige LH/FSH-Spiegel als Ursache) kann Kisspeptin die körpereigene Testosteronproduktion ankurbeln. Bei primärem Hypogonadismus (Hoden-Problem) wirkt es nicht, weil die Gonaden selbst das Problem sind. Ohne Labordiagnostik weiß man nicht, welche Form vorliegt.
Was ist der Unterschied zu Gonadorelin (GnRH)?
Kisspeptin wirkt eine Stufe höher als Gonadorelin: Kisspeptin aktiviert GnRH-Neuronen → GnRH wird ausgeschüttet → Gonadorelin wirkt an der Hypophyse. Für den praktischen Effekt (LH/FSH-Anstieg) sind beide ähnlich, aber Kisspeptin erhält den natürlicheren Rhythmus, weil es den Hypothalamus einbezieht.

Teil bekannter Peptid-Stacks

Passt dazu

Werkzeuge

Die wichtigsten Kennzahlen für Kisspeptin sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.

Dosierung
Best-Practice-Bandbreite0,1–0,2 mg
niedrig · 0,1 mghoch · 0,2 mg
Frequenz: 2–3× wöchentlich
Im Dosierungsrechner öffnen
Mischverhältnis
Konzentration3,33 mg/ml
Abzug3 U
020406080100U3.00 U0.030 ml
10 mg Vial + 3 ml Wasser · Beispiel-Abzug für 0,1 mg
Im Mischungsverhältnis-Rechner öffnen
Bewährtes Protokoll
Titrationsschema4 Phasen
Zyklus: 8–12 Wochen, danach 4 Wochen Pause.
Tägliche subkutane Injektion über 8–12 Wochen.
Zum Protokoll
Fact Sheet

Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent

Weiterlesen
Alle Peptide im Wiki →