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Hormonsystem

TRH (Thyrotropin-Releasing Hormone)

TRH (Thyrotropin-Releasing Hormone) ist das kleinste bekannte Neuropeptid mit Nobelpreis-Geschichte, als Diagnostikum klinisch zugelassen, als ZNS-Wirkstoff intensiv erforscht, aber nur verschreibungspflichtig erhältlich.

Solide EvidenzDE, AT, CH: Rezeptpflichtig#33Rang 33 von 8058/100
AnwendungIntravenös (i.v.), Subkutan (s.c.), Intranasal
Typische Dosis0,2–0,5 mg i.v. (einmalig, Diagnostik)
Halbwertszeit~5 Minuten (enzymatisch rasch abgebaut)
PubMed-Studien839+
Fachangaben

Auch bekannt als: Protirelin, Thyroliberin, Thyrotropin-Releasing Factor

pGlu-His-Pro-NH2 (Pyroglutamyl-Histidyl-Prolinamid, 3 AS)

Auf einen Blick

AnwendungIntravenös (i.v.), Subkutan (s.c.), Intranasal
Typische Dosis0,2–0,5 mg i.v. (einmalig, Diagnostik)
Halbwertszeit~5 Minuten (enzymatisch rasch abgebaut)
ForschungslageSolide (B)
Rechtslage DACHRezeptpflichtig
FrequenzDiagnostisch (i.v., einmalig)
PubMed-Studien839+

Grundlagen zuerst: Wirkung setzt eine stabile Basis aus Schlaf, Ernährung und Training voraus. Mehr dazu in der Biohacking-Pyramide.

Rechtlicher Hinweis

Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.

Was ist TRH (Thyrotropin-Releasing Hormone) und wie wirkt es?

Einfach erklärt

TRH (Thyrotropin-Releasing Hormone, auch: Protirelin oder Thyroliberin) ist ein hypothalamisches Tripeptid, nur drei Aminosäuren, das 1969 gleichzeitig von Roger Guillemin und Andrew Schally entschlüsselt wurde (Nobelpreis Medizin 1977). Trotz seiner winzigen Größe ist es chemisch ungewöhnlich: Die N-terminale Glutaminsäure liegt als zyklisches Pyroglutamat vor, der C-Terminus ist amidiert, das macht es stabiler als normale Tripeptide. TRH ist das hypothalamische Signal, das die Hypophyse zur TSH- und Prolaktin-Ausschüttung stimuliert, die wiederum die Schilddrüse aktiviert. Als Diagnostikum war TRH klinisch zugelassen (TRH-Stimulationstest). Parallel dazu ist TRH ein wichtiges ZNS-Neuropeptid mit antidepressiven und wachheitsfördernden Effekten, unabhängig von der Schilddrüse.

TRH (Thyrotropin-Releasing Hormone) ist ein hypothalamisches Tripeptid (pGlu-His-Pro-NH2), das als eines der ersten Neuropeptide überhaupt entdeckt und synthetisiert wurde. Roger Guillemin und Andrew Schally erhielten dafür 1977 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Trotz seiner Einfachheit (nur 3 Aminosäuren) besitzt TRH eine ungewöhnlich komplexe Modifikationschemie: Die N-terminale Glutaminsäure liegt als zyklisches Pyroglutamat vor, und der C-Terminus ist amidiert. TRH ist als diagnostisches Arzneimittel (TRH-Stimulationstest) für die Hypophysen-Schilddrüsen-Achse klinisch eingesetzt worden. Synthetisches TRH (z. B. Thyroliberin) wurde in Europa als Diagnostikum verwendet, die klinische Nutzung hat durch modernere TSH-Tests abgenommen. Parallel zur endokrinen Funktion wird TRH intensiv als Neuropeptid erforscht. Es kommt im gesamten ZNS vor (nicht nur im Hypothalamus) und zeigt in präklinischen Modellen antidepressive, wachhaltende und neuroprotektive Effekte. Diese ZNS-Effekte sind von der Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse unabhängig.

Wirkungsweise

Einfach erklärt
  • Bindet an TRH-Rezeptoren (TRHR1/TRHR2, Gq/11-gekoppelt) in der Hypophyse → TSH- und Prolaktin-Freisetzung.
  • Im ZNS (außerhalb des Hypothalamus): moduliert Dopamin, Serotonin und Acetylcholin über extra-hypothalamische Rezeptoren.
  • Antidepressive und arousal-fördernde Effekte in präklinischen Modellen: unabhängig von Schilddrüsenwirkung.
  • HWZ nur ~5 Minuten, enzymatisch sehr rasch abgebaut.

TRH bindet an TRH-Rezeptoren (TRHR1/TRHR2), G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (Gq/11). In der Hypophyse: Stimulation von TSH- und Prolaktin-Sekretion. Im ZNS: Modulation von Dopamin, Serotonin und Acetylcholin, antidepressive Effekte über extrasynaptische TRH-Rezeptoren.

Spricht dafür

  • Die erwünschte Wirkung „TSH- & Prolaktin-Stimulation“ ist in Humanstudien belegt.
  • In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen und damit qualitätsgeprüft erhältlich.

Spricht dagegen

  • Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Flush kurz nach i.v.-Gabe und Übelkeit.

Wirkungen und Anwendungsgebiete

Einfach erklärt

Klinisch zugelassene und forschungsbasierte Wirkungen:

  • TSH- und Prolaktin-Stimulation: Level A. Goldstandard-Diagnostikum für die Schilddrüsenachse
  • Antidepressive ZNS-Effekte: Level C, nur präklinische Tier-Modelle
  • Arousal/Wachheit: Level C, präklinisch
  • Neuroprotektive Effekte: Level C, präklinisch
Als Schilddrüsenhormon-Stimulator: Kontraindiziert bei Hyperthyreose und koronarer Herzkrankheit.

TSH- & Prolaktin-Stimulation

Klinisch belegtHuman

Goldstandard in der Endokrinologie zur Stimulation der Schilddrüsenachse (Diagnostik).

Antidepressive ZNS-Effekte

VorklinischTier

Wirkt im Gehirn als Neuromodulator unabhängig von der Schilddrüsenachse und zeigte in Modellen stimmungsaufhellende Eigenschaften.

Arousal & Wachheit

VorklinischTier

Präklinische Studien beschreiben eine Erhöhung von Wachheit und motorischer Aktivität.

Dosierung und Anwendung

Einfach erklärt

Klinischer TRH-Stimulationstest:

  • 0,2 mg als einmaliger i.v. Bolus (diagnostische Standarddosis)
  • TSH-Messung nach 20 und 60 Minuten
  • ZNS-Forschung: intranasal (um die kurze systemische HWZ zu umgehen)
Keine etablierten Dosierungen für wiederholte therapeutische Anwendung. Klinische Anwendung nur als Diagnostikum.

Studien-Dosierungen

Die Mengenangaben entstammen wissenschaftlichen Studien, Forschungsprotokollen und Tiermodellen. Sie sind keine Dosierungsangaben im klassischen Sinne und stellen keine Einnahmeempfehlung für Menschen dar.
Anwendung / PhaseDosisFrequenzHinweis
TRH-Stimulationstest (Klinik)0,2 mgEinmalig als i.v. BolusStreng ärztliche Anwendung zur Diagnostik.
ZNS-ForschungVariabelOft intranasalUm die sehr kurze Halbwertszeit im Blut zu umgehen.
Dosierungsrechner →Best-Practice Protokoll ansehen

Anwendungsformen

Einfach erklärt
  • Intravenös: Standard für TRH-Stimulationstest (Klinik)
  • Intranasal: in Forschungsprotokollen für ZNS-Effekte untersucht (umgeht kurze Blut-HWZ)
  • Subkutan: möglich, aber i.v. ist präziser für Diagnostik
  • Oral: nicht sinnvoll (im Magen zerstört)
Intravenös (i.v.)Subkutan (s.c.)Intranasal

Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.

Nebenwirkungen und Risiken

Einfach erklärt

Gut dokumentiert aus diagnostischem Einsatz:

  • Flush (Gesichtsrötung) kurz nach i.v.-Gabe, sehr häufig, kurz anhaltend
  • Harndrang (typische TRH-Wirkung auf glatte Muskulatur)
  • Übelkeit, kurzzeitig
  • Vorübergehender Blutdruckanstieg, relevant bei KHK
  • Kontraindiziert bei Hyperthyreose (Schilddrüsenstimulation gefährlich)

Bekannte Nebenwirkungen

  • Flush (Gesichtsrötung) kurz nach i.v.-Gabe
  • Übelkeit
  • Harndrang
  • Vorübergehender Blutdruckanstieg

Kontraindikationen

  • Koronare Herzkrankheit
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Schwangerschaft

Studienlage

Einfach erklärt

Eines der am längsten erforschten Neuropeptide. Evidenzlevel B:

  • ✅ Guillemin & Schally (Nobelpreis 1977): Isolation und Strukturaufklärung von TRH
  • ✅ Klinischer TRH-Test: Jahrzehnte klinischer Erfahrung in der Endokrinologie
  • ✅ Faden et al. 1999: Neuroprotektive ZNS-Effekte in präklinischen Modellen
  • ⚠ ZNS-Wirkungen beim Menschen therapeutisch: nicht klinisch zugelassen

The TRH stimulation test in thyroid disease

Human

Faglia G, et al. (2001),

Übersicht über den etablierten klinischen Einsatz von TRH zur Überprüfung der Hypophysen-Schilddrüsen-Achse.

Rechtslage und Sport

Einfach erklärt
  • 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Verschreibungspflichtig, nur mit ärztlichem Rezept legal, als Diagnostikum (Thyroliberin).
  • Kein WADA-Verbot, nicht auf der Dopingliste
RechtslageDE, AT, CH: Rezeptpflichtig

Als Diagnostikum (z.B. Thyroliberin) verschreibungspflichtig. In der neuroendokrinen Forschung auch intranasal untersucht.

Im SportWADA: Erlaubt

Endogenes Tripeptid. Nicht auf der WADA-Liste.

Doping-Status im WADA-Checker nachsehen →

Häufige Fragen zu TRH (Thyrotropin-Releasing Hormone)

Wofür wird TRH außer für die Schilddrüse erforscht?
TRH wird als ZNS-Neuropeptid untersucht: antidepressive Effekte, Arousal/Wachheit, Suchtmodulation und neuroprotektive Eigenschaften. Diese Effekte sind von der Schilddrüsenwirkung unabhängig und laufen über direkte Gehirnrezeptoren.
Warum ist TRH ein Neuropeptid und nicht nur ein Schilddrüsen-Hormon?
TRH kommt im gesamten Gehirn vor, nicht nur im Hypothalamus. Es wirkt direkt auf Hirnzellen über TRHR-Rezeptoren, die nichts mit der Schilddrüse zu tun haben. Diese ZNS-Wirkungen (Wachheit, Stimmung, Sucht-Modulation) sind von der Schilddrüsenachse vollständig unabhängig. TRH ist damit sowohl endokrines Hormon als auch Neurotransmitter.
Kann TRH als Antidepressivum eingesetzt werden?
Präklinische Studien sind positiv, aber klinische Daten für eine antidepressive Indikation fehlen. Die extrem kurze Halbwertszeit (5 Minuten) macht eine praktische Therapie schwierig. TRH-Analoga mit längerer HWZ werden erforscht. Derzeit ist TRH kein zugelassenes Antidepressivum.
Passt dazu

Werkzeuge

Die wichtigsten Kennzahlen für TRH (Thyrotropin-Releasing Hormone) sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.

Dosierung
Best-Practice-Bandbreite0,2–0,5 mg
niedrig · 0,2 mghoch · 0,5 mg
Frequenz: Diagnostisch (i.v., einmalig)
Im Dosierungsrechner öffnen
Mischverhältnis
Konzentration1 mg/ml
Abzug20 U
020406080100U20.0 U0.200 ml
5 mg Vial + 5 ml Wasser · Beispiel-Abzug für 0,2 mg
Im Mischungsverhältnis-Rechner öffnen
Bewährtes Protokoll
Titrationsschema2 Phasen
Zyklus: 2–4 Wochen, dann Pause (Schilddrüsenachse erholen lassen).
Intranasal: 1–2× täglich. SC: 1× täglich morgens.
Zum Protokoll
Fact Sheet

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