Wachstumshormon-Peptide: Warnung vor beschleunigtem Altern
Der Langlebigkeitsforscher Dr. Valter Longo warnt vor Wachstumshormon-Peptiden. Er sagt, hohe Spiegel von Wachstumshormon und IGF-1 können das Altern beschleunigen. Sie können auch das Krebsrisiko erhöhen. Aktuelle Studien stützen diese These. Sie fordern eine kritische Sicht auf populäre Anti-Aging-Versprechen.
Die Warnung des Langlebigkeitsforschers
Dr. Valter Longo ist ein führender Wissenschaftler. Er forscht im Bereich der Langlebigkeit. Das ist die Wissenschaft vom langen Leben. Er hat sich kritisch zu Wachstumshormon-Peptiden geäußert. Er glaubt, diese Substanzen können das Altern beschleunigen. Sie verlangsamen es nicht. Diese Aussage widerspricht populären Meinungen. Diese Meinungen bewerben Wachstumshormone oft als Verjüngungsmittel. Es ist wichtig, die wissenschaftlichen Belege für diese Warnung zu verstehen.
Wachstumshormon und IGF-1: Ein zweischneidiges Schwert
Wachstumshormon (GH) und der insulinähnliche Wachstumsfaktor 1 (IGF-1) sind wichtig. IGF-1 ist der Hauptvermittler von GH. Beide spielen eine zentrale Rolle bei Wachstum und Stoffwechsel. In jungen Jahren sind sie für Entwicklung und Gewebereparatur unerlässlich. Im Alter zeigen viele Studien eine komplexere Rolle. Dauerhaft erhöhte Spiegel dieser Hormone können sich negativ auf die Lebensdauer auswirken. Forscher beobachteten dies in vielen Tiermodellen. Dort verlängerte eine Reduzierung der GH/IGF-1-Signalwege die Lebensspanne deutlich.
Erhöhtes Krebsrisiko durch hohe GH/IGF-1-Spiegel
Ein Hauptkritikpunkt an dauerhaft hohen GH- und IGF-1-Spiegeln ist das mögliche Krebsrisiko. Studien zeigen, dass Menschen mit Akromegalie ein höheres Krebsrisiko haben. Akromegalie ist eine Krankheit mit übermäßiger GH-Produktion. Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Darm-, Magen-, Brust-, Lungen- und Prostatakrebs. Auch epidemiologische Studien verbinden hohe IGF-1-Werte mit einem erhöhten Risiko. Dies gilt für Brust-, Prostata- und Darmkrebs. IGF-1 fördert Zellwachstum und Zellvermehrung. Es kann auch den programmierten Zelltod (Apoptose) hemmen. Dies könnte die Entwicklung von Tumoren begünstigen.
Der Zusammenhang mit dem Altern: Tiermodelle und menschliche Daten
In Tiermodellen wie Mäusen, Würmern und Fliegen führt eine Dämpfung des GH/IGF-1-Signalwegs zu einer längeren Lebens- und Gesundheitsspanne. Die Gesundheitsspanne ist die Zeit, die man gesund und krankheitsfrei lebt. Bei Menschen ist die Situation anders. Ein Mangel an Wachstumshormon im Erwachsenenalter (GHD) geht nicht immer mit einer längeren Lebensdauer einher. Er schützt aber oft vor altersbedingten Krankheiten. Dazu gehören Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Dies deutet darauf hin, dass ein niedrigerer GH/IGF-1-Spiegel die Gesundheitsspanne verlängern kann.
Die U-förmige Kurve des IGF-1 und die Rolle von mTOR
Die Forschung zeigt eine U-förmige Beziehung zwischen IGF-1-Spiegeln und der Sterblichkeit. Das bedeutet, sehr hohe und sehr niedrige IGF-1-Werte können das Sterberisiko erhöhen. Ein optimaler Bereich scheint für die Gesundheit am besten zu sein. Dieser Bereich sinkt möglicherweise mit zunehmendem Alter. Ein wichtiger Mechanismus verbindet GH/IGF-1 mit dem Altern. Das ist der mTOR-Signalweg (mechanistic Target of Rapamycin). Dieser Weg reguliert Zellwachstum und Stoffwechsel. Eine Drosselung des mTOR-Signalwegs wird in vielen Arten mit einer längeren Lebensdauer verbunden.
Wachstumshormon-Releasing-Peptide: Nutzen und Risiken
Peptide wie GHRP-6, Ipamorelin und Sermorelin stimulieren die körpereigene Produktion von Wachstumshormon. Sie werden oft beworben. Die Werbung verspricht Muskelwachstum, Fettabbau, bessere Regeneration und angebliche Anti-Aging-Effekte. Bekannte Nebenwirkungen sind Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Übelkeit. Auch Schwindel, erhöhter Appetit und Flüssigkeitsretention können auftreten. Eine langfristige Anwendung ohne ärztliche Aufsicht kann zu Problemen führen. Dazu gehören hormonelle Ungleichgewichte, Gelenkschmerzen und ein erhöhtes Diabetesrisiko. Wachstumshormon beeinflusst den Glukosestoffwechsel.
Fazit für die Praxis
Wissenschaftliche Belege legen nahe, dass dauerhaft erhöhte Wachstumshormon- und IGF-1-Spiegel das Altern beschleunigen können. Dies gilt besonders, wenn die Spiegel über das physiologisch notwendige Maß hinausgehen. Sie können auch das Risiko für altersbedingte Krankheiten wie Krebs erhöhen. Die populäre Annahme, dass Wachstumshormon-Peptide ein 'Anti-Aging-Mittel' sind, sollte man kritisch hinterfragen. Substanzen wie GHRP-6, Ipamorelin, Sermorelin, CJC-1295 und Tesamorelin sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht als Medikamente zur Steigerung der Langlebigkeit zugelassen. Ihre Anwendung erfolgt ausschließlich im Forschungskontext (Research Use Only, RUO). Sie sollte nur unter strenger medizinischer Aufsicht erfolgen. So lassen sich potenzielle Risiken minimieren.
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