Ghrelin
Ghrelin ist das körpereigene "Hungerhormon" des Magens, es stimuliert gleichzeitig GH-Ausschüttung und Appetit und ist die biologische Vorlage für alle synthetischen GHRP wie Ipamorelin und GHRP-6.
Fachangaben
Auch bekannt als: Motilin-related Peptide, Hunger-Hormon, GHS-R1a-Agonist, Obestatin-Vorläufer
Gly-Ser(n-octanoyl)-Ser-Phe-Leu-Ser-Pro-Glu-His-Gln-Arg-Val-Gln-Gln-Arg-Lys-Glu-Ser-Lys-Lys-Pro-Pro-Ala-Lys-Leu-Gln-Pro-Arg (28 AS, O-Octanoyl-Ser3)
Auf einen Blick
Grundlagen zuerst: Wirkung setzt eine stabile Basis aus Schlaf, Ernährung und Training voraus. Mehr dazu in der Biohacking-Pyramide.
Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist Ghrelin und wie wirkt es?
Ghrelin wurde 1999 von Kangawa und Kollegen in Osaka entdeckt, überraschenderweise im Magen, nicht in der Hypophyse. Es ist ein 28-Aminosäuren-Peptid mit einer ungewöhnlichen chemischen Modifikation: An der dritten Aminosäure (Serin) hängt eine Oktanoyl-Fettsäure, die für biologische Aktivität zwingend nötig ist. Ohne diese Acylierung (Desacyl-Ghrelin) ist das Peptid inaktiv für GH-Stimulation. Ghrelin ist das einzige bekannte hunger-stimulierende Peptidhormon im peripheren Blutkreislauf und gleichzeitig der stärkste natürliche GH-Sekretogog. Es ist die biologische Vorlage für alle synthetischen GH-Sekretagoga (GHRP-Klasse: Ipamorelin, GHRP-6, GHRP-2, MK-677).
Ghrelin wurde 1999 von Kangawa und Kollegen in Osaka entdeckt und ist das einzige bekannte hunger-stimulierende Peptidhormon im peripheren Blutkreislauf. Es wird hauptsächlich von den X/A-Zellen des Magenfundus produziert und setzt GH aus der Hypophyse durch Bindung an GHS-R1a (Growth Hormone Secretagogue Receptor 1a) frei. Der Spiegel steigt vor den Mahlzeiten und sinkt danach, daher der Name Hungerhormon. Bei der GH-Freisetzung wirkt Ghrelin synergistisch mit GHRH. Aktiv ist die acylierte Form (Octanoyl-Ghrelin), Desacyl-Ghrelin hat entgegengesetzte oder neutrale metabolische Wirkungen.
Wirkungsweise
- Bindet an GHS-R1a (Growth Hormone Secretagogue Receptor 1a, Gαq/11) in der Hypophyse → PLC/IP3 → Ca²⁺ → GH-Sekretion.
- Im Hypothalamus: Aktiviert NPY/AgRP-Neuronen (Appetitstimulation) und hemmt POMC-Neuronen (Sättigungshemmung).
- Anstieg vor den Mahlzeiten (körpereigenes "Essenzeituhr-Signal"), Abfall nach der Mahlzeit.
- Synergistisch mit GHRH: GHRH + Ghrelin kombiniert = stärkster physiologischer GH-Puls.
- Acyliertes Ghrelin ist aktiv. Desacyl-Ghrelin hat teils entgegengesetzte oder neutrale metabolische Effekte.
Acyl-Ghrelin bindet an GHS-R1a (Gαq/11-gekoppelt) in der Hypophyse → PLC/IP3 → Ca²⁺ → GH-Sekretion. Im Hypothalamus aktiviert Ghrelin NPY/AgRP-Neuronen (Appetitstimulation) und hemmt POMC-Neuronen. Die GHS-R1a-Bindung ist auch die Grundlage für synthetische GHRP wie GHRP-2, GHRP-6 und Ipamorelin.
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „GH-Sekretion“ ist in Humanstudien belegt.
- Die erwünschte Wirkung „Appetit- und Nahrungsaufnahmesteigerung“ ist in Humanstudien belegt.
Spricht dagegen
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
- Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Hunger- und Appetitsteigerung und Übelkeit.
Wirkungen und Anwendungsgebiete
Gut belegte Wirkungen in Humanstudien:
- GH-Sekretion: Level A, potenter GH-Releaser, dosisabhängig in Humanstudien belegt
- Appetitstimulation: Level A. Ghrelin-Infusion steigert Nahrungsaufnahme beim Menschen
- Magen-Motilität: Level B, fördert Magenentleerung
- Kardioprotektive Effekte: Level B, positive Effekte bei Herzinsuffizienz in Studien
GH-Sekretion
Potenter GH-Releaser. Humanstudien zeigen zuverlässige, dosisabhängige GH-Peaks.
PubMed-Quelle →Appetit- und Nahrungsaufnahmesteigerung
Gut etabliert: Ghrelin-Infusion steigert Nahrungsaufnahme bei Menschen kalorisch signifikant.
Kardioprotektive Wirkung
Klinische Studien zeigen günstige Effekte auf Herzfunktion bei Herzinsuffizienz.
PubMed-Quelle →Anti-Kachexie
Verbessert Ernährungsstatus und Muskelmasse bei tumorassoziierter Kachexie.
Dosierung und Anwendung
Klinische Forschungsprotokolle:
- GH-Stimulation (Forschung): 0,07–0,21 mg i.v. als Bolus
- Herzinsuffizienz-Studien: 0,002 mg/kg i.v. 2×/Tag
- Natives Ghrelin als Selbstanwendung: praktisch nicht relevant wegen HWZ und Instabilität
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| GH-Stimulationstest | 0,001 mg/kg i.v. | Einmalig | Diagnostische Anwendung |
| GH-Steigerung (Off-label) | 0,1–0,3 mg s.c. | 1–2× täglich | Synergistisch mit GHRH/GHRH-Analoga |
Anwendungsformen
- Intravenös: Standard in klinischen Studien
- Subkutan: möglich, aber Acylierung instabil
- Oral: Macimorelin (Ghrelin-Analogon) ist FDA-zugelassen für GH-Defizienz-Diagnose, oral aktiv
- Praktische Selbstanwendung: via synthetische Analoga (Ipamorelin, GHRP-6, MK-677), stabiler und gezielter
Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.
Nebenwirkungen und Risiken
Aus klinischen Studien mit nativem Ghrelin:
- Appetitsteigerung (bei Anwendung außerhalb des Hungerkontexts unerwünscht)
- Transiente Blutzuckerveränderungen
- GH-bedingte Nebenwirkungen: Ödeme, Karpaltunnelsyndrom bei Überdosierung
- Aktive Malignome: kontraindiziert (GH fördert Tumorwachstum)
Bekannte Nebenwirkungen
- •Hunger- und Appetitsteigerung (therapeutisch problematisch bei Übergewicht)
- •Übelkeit (gelegentlich)
- •Flush
- •Hypoglykämie möglich
Kontraindikationen
- •Adipositas-Behandlung (appetitsteigernd)
- •Aktive Tumorerkrankungen
Studienlage
Eines der am besten erforschten GH-Sekretagoga. Evidenzlevel B:
- ✅ Kojima et al. 1999 (Nature): Entdeckung von Ghrelin als erstes orexigenes Peptidhormon
- ✅ Zahlreiche Humanstudien belegen GH-Stimulation und Appetitwirkung
- ✅ Herzinsuffizienz-Studien: positive Effekte auf Muskelmasse und Herzfunktion
- ⚠ Natives Ghrelin therapeutisch: durch stabilere Analoga in der Praxis weitgehend ersetzt
Adolescent mothers' body composition and metabolic hormones (adiponectin, ghrelin, and leptin) in blood and human milk: associations with infant body composition
HumanRached V, et al. (2026), European journal of clinical nutrition
In jugendlichen Müttern korrelierten Serum- und Muttermilch-Ghrelin invers. Muttermilch-Ghrelin zeigte schwache inverse Assoziationen mit Säuglings-Anthropometrie, was auf eine Rolle bei Wachstum und Körperzusammensetzun…
PubMed →Puberty-Associated Gingival Enlargement Exacerbated by Polycystic Ovary Syndrome: A Case Report
HumanDhalla N, et al. (2026), Journal of clinical and experimental dentistry
Ein Fallbericht über Zahnfleischwucherungen bei einer 17-jährigen Patientin mit PCOS nennt erhöhte Ghrelin-Spiegel als Teil der hormonellen Dysregulation bei PCOS, die zur Symptomatik beitragen könnte.
PubMed →Chrononutrition, Circadian Rhythms, and Genetic Susceptibility in Noncommunicable Diseases: Sex-Specific Perspective
HumanMinari TP, et al. (2026), Nutrition reviews
Dieser Review untersuchte die Rolle von Ghrelin in hormonellen Wegen, die Appetitdysregulation und kardiometabolisches Risiko bei Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen beeinflussen, mit Fokus auf zirkadiane Rhythm…
PubMed →Rechtslage und Sport
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Grauzone, kein zugelassenes Arzneimittel. Verkauf üblich als Forschungschemikalie (RUO).
- Macimorelin (Ghrelin-Analogon): FDA-zugelassen für GH-Defizienz-Diagnostik (oral)
- WADA: GHRP-Klasse (Analoga) gesperrt (S2), natives Ghrelin nicht explizit gelistet
Als natives Peptid: Forschungschemikalie. Macimorelin (Ghrelin-Analogon) ist FDA-zugelassen für GH-Defizienz-Diagnose. Kein therapeutisches Arzneimittel in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Endogenes Hunger-Hormon. Nicht als Substanz auf der WADA-Liste. GH-Sekretagog-Mimetika (MK-677) sind hingegen gelistet.
Häufige Fragen zu Ghrelin
Ist Ghrelin dasselbe wie GHRP?
Was ist der Unterschied zwischen Ghrelin und Ipamorelin?
Steigt Ghrelin beim Fasten?
Teil bekannter Peptid-Stacks
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für Ghrelin sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
GHRP-2
Growth Hormone Releasing Peptide-2, ein synthetisches Hexapeptid, das in klinischen Studien die GH-Sekretion stimuliert und stärker als GHRP-6 wirkt, aber auch Prolaktin und Cortisol erhöht.
GHRP-6
Hexapeptid-GH-Sekretagogum der ersten Generation (GHSR-Agonist). In der Forschung auf GH-Ausschüttung untersucht. WADA-gesperrt. Stärkere Hunger-Nebenwirkung als Ipamorelin.
Ipamorelin
Ipamorelin ist ein selektives Ghrelin-Mimetikum (GHS, Growth Hormone Secretagogue), das Wachstumshormon mit hoher Selektivität und minimalen Nebenwirkungen freisetzt.